Die Tigersprung-Schlucht – endlich etwas Wandern

„Make sure you don’t miss the tiger leaping gorge if you are going to Yunnan!“ war einer der letzten Ratschläge, den uns unsere finnische Reisefreundin Sanni mit auf den Weg gab. Auch unser Reiseführer empfahl uns wärmstens einen Besuch und so ließen wir dieses Naturphänomen natürlich nicht aus.

Die Tigersprung-Schlucht zählt mit 3900 m Höhenunterschied vom höchsten zum niedrigsten Punkt als die tiefste Schlucht der Welt und ist Teil des Nationalparks der Drei Parallelflüsse, der zum UNESCO Weltkulturerbe gilt (ihr seht schon, hier gibt es viele Sehenswürdigkeiten, die dazu zählen 😉 ). Durch die 15 km lange Schlucht selbst fließt der Jangtsekiang und lässt sich gut durchwandern. Die 22 km lange Strecke ist für Europäer ein sehr beliebtes Ziel – Chinesen sieht man hier hingegen selten. Also ein perfektes Ziel für uns, um endlich mal etwas in die Natur hinaus und den Landsleuten zu entkommen.

Von unserem Hostel in Lijiang organisierten wir die Busfahrt zum Ausgangspunkt nach Qiaotou und ließen unser Gepäck ans Ende des Wanderweges zu „Tina’s Guesthouse“ fahren, sodass wir nur mit Tagesrucksäcken unterwegs sein konnten. Trotz ausgiebigen Warnungen und einigen Ausredeversuchen unseres Vorhabens, die Schlucht an einem Tag zu durchwandern, blieben wir bei unserem ursprünglichen Plan und marschierten um 10 Uhr morgens vergnügt los. Nach einer halben Stunde Serpentinenstraße zweigten wir dann endlich auf den Wanderweg ab, der uns weit über der unten verlaufenden Straße durch die Schlucht führen würde.
Das erste Drittel des Weges war geprägt von steilen Anstiegen und ebenso rasanten Abstiegen, sodass wir uns mehrmals komplett durchschwitzten. Strategisch an guten Punkten postiert – meist kurz vor oder kurz nach einem irre steilen Stück – trafen wir immer wieder auf Einheimische, die ihre Waren an den Mann bringen wollten. Dabei wurden wir meist fröhlich mit „Sit down, sit down! Ganja? Marihuana?“ begrüßt und fanden neben Snickers, Wasser und manchmal Obst einen großen Haufen Gras vor, neben dem schon die Pfeife bereit lag. Irgendwie skurril, aber doch etwas belustigend. Die Leute konnten gar nicht verstehen, warum wir keine Pause machen wollten und versuchten uns meist mit Lügen zu ködern, die versprachen, dass wir in den nächsten vier Stunden weder Wasser noch Essen auf dem Weg finden würden. Komisch, dass wir nach dem nächsten Anstieg schon den nächsten Sonnenschirm aus der Ferne winken sahen… Außerdem waren unsere Rucksäcke ja gut mit Proviant gefüllt.
Irgendwann pendelte sich der Weg dann endlich auf einem Höhenniveau ein und von da an ging es dann eigentlich nur noch „geradeaus“. Wir genossen den Blick auf den gegenüber liegenden Hang, hofften dass die wolkenverhangenen Gipfel sich irgendwann mal zeigen würden, ließen uns von der Sonne brutzeln und wurden von der Tiefe der Schlucht in den Bann gezogen. Zwischendrin kreuzte der ein oder andere Wasserfall unseren Weg, andere Leute trafen wir dafür keine. In der herrlichen Natur ganz für uns allein nahmen wir sogar ein Dusche unter einem Wasserfall, der direkt über den Weg hinabstürzte – das war herrlich erfrischend!
Für die gesamte Strecke brauchten wir am Ende sieben und keine zehn Stunden, wie uns vorher erzählt wurde. So entspannten wir abends bei herrlichem Bergblick im Restaurant des Hostels und kuschelten uns dann müde in unsere Betten.

Am zweiten Tag schliefen wir natürlich erstmal ausgiebig aus und wanderten dann vom Hostel aus nochmal direkt runter zum Fluss. An dieser Stelle liegt der riesige Felsen in der Mitte des Jangtse und der Legende nach kann ein Tiger hier in zwei Sätzen die Schlucht überqueren – wer weiß ob das stimmt, denn wir fragten uns was ein Tiger auf der anderen Seite an der glatten Felswand möchte?! Beeindruckend war es trotzdem und so machten wir uns am Nachmittag glücklich über dieses Naturerlebnis auf die Weiterfahrt mit dem Bus nach Shangri-La.

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